Wenn es nach belgischen Unternehmern geht, könnte das Corona-Pass-System auch auf den Arbeitsplatz ausgeweitet werden. Mehr als die Hälfte der Unternehmen befürwortet dies laut einer Umfrage der HR-Dienstleistungsgruppe liantis bei 1.504 Unternehmern. „Unternehmer sind verständlicherweise für die Sicherheit ihrer Mitarbeiter verantwortlich. Aber vorerst lässt das Gesetz dies einfach nicht zu“, sagte Liantis.

Vergangene Woche stellte sich heraus, dass die meisten Unternehmen noch immer an Corona-Maßnahmen wie Mundschutz und Abstandhalten am Arbeitsplatz festhalten. Dies liegt unter anderem daran, dass sie nicht genau wissen, welcher ihrer Mitarbeiter geimpft ist oder nicht, und deshalb nicht riskieren wollen, dass ihre Mitarbeiter erkranken.

Corona-Pass eingeben

Genau aus diesem Grund möchte die Hälfte der befragten Unternehmer einen Corona-Pass einführen. Wer nicht geimpft ist oder keinen aktuellen negativen Test vorweisen kann, darf nicht zur Arbeit kommen. Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten können zwar seit kurzem den Impfschutz in ihrer Organisation über ihren Betriebsarzt beantragen, dies scheint jedoch für die 47,2 % nicht ausreichend zu sein und sie möchten genau wissen, wer geimpft wurde und wer nicht.

Rechtlich unmöglich

„Natürlich verstehen wir Arbeitgeber: Sie sind gesetzlich verpflichtet, für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu sorgen. Und zu wissen, ob Kollegen am Arbeitsplatz geimpft sind oder kürzlich einen negativen Test gemacht haben, kann dazu beitragen“, sagt Matthias Debruyckere, Rechtsexperte bei Liantis. „Aber es ist vorerst unmöglich, als Arbeitgeber von Ihren Mitarbeitern einen Corona-Pass zu verlangen. Das lässt das Gesetz einfach nicht zu. Darüber hinaus sollten Arbeitnehmer frei entscheiden können, ob sie sich impfen lassen oder nicht. Schließlich ist es einem Arbeitgeber überhaupt nicht erlaubt, medizinische Daten von seinen Mitarbeitern anzufordern.“

Sensibilisierung

36 % der befragten Arbeitgeber versuchen, am Arbeitsplatz so viel wie möglich zu sensibilisieren, um die Menschen von der Sinnhaftigkeit von Impfungen zu überzeugen. 25 % möchten in Zukunft auch Corona-Impfstoffe am Arbeitsplatz anbieten.

„Es ist gut, dass Arbeitgeber ihre Mitarbeiter sensibilisieren. Wir unterstützen sie auf vielfältige Weise. In der Vergangenheit haben wir beispielsweise Whatsapp-Linien eingerichtet und nach Wegen gesucht, Mitarbeiter möglichst effektiv zu erreichen und zu informieren. Als Arbeitsmediziner sehen wir auch täglich viele Mitarbeiter, mit denen wir vertraulich über ihre Impfentscheidungen sprechen können. Solange keine Impfpflicht besteht, ist dies derzeit der effektivste Weg, um die Impfrate zu erhöhen. In Bezug auf Injektionen sorgen wir für gute Kontakte zwischen Arbeitgebern und Impfstellen, damit ihre mobilen Injektionsteams bei geringer Impfrate vor Ort sind“, so Sylvia Vanden Avenne, Leiterin der medizinischen Betreuung bei Liantis, abschließend.

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