Der amerikanische Elektroautohersteller Canoo rechnet nicht damit, Fahrzeuge des Autoherstellers VDL Nedcar in Born in Limburg bauen zu lassen. In einem der amerikanischen Börsenaufsicht vorgelegten Dokument sagt das Unternehmen, es gehe nicht mehr davon aus, dass ein vorläufiger Vertrag in einen endgültigen umgewandelt werde.

Canoo war in diesem Sommer der erste Neukunde von VDL Nedcar, nachdem BMW beschlossen hatte, die Produktion von BMW- und MINI-Modellen in die eigenen Fabriken zu verlagern. Im Juni gaben die beiden Unternehmen bekannt, dass Canoo ab nächstem Jahr bis 2028 mit der Produktion von Autos in Born beginnen wird. VDL Nedcar würde sogar zunächst auf dem Parkplatz zusätzliche Produktionsfläche einrichten wollen, denn die normale Produktion von BMWs und MINIs würde bis 2023 weiterlaufen.

Mitte letzten Monats hatte Canoo bereits Zweifel an der Produktion in den Niederlanden gesät. CEO Tony Aquila sagte damals, er hätte wegen der Kontrolle lieber eine eigene Fabrik als einen Lohnfertiger. Ungefähr zu dieser Zeit beschloss Canoo, die Produktion seines sogenannten Lifestyle-Fahrzeugs, einer Art SUV, in den USA bereits 2022 statt ein Jahr später aufzunehmen.

Die Frist für eine endgültige Einigung mit VDL Nedcar wurde daraufhin von Ende November auf Mitte Dezember verlängert. In dem offiziellen Dokument sagt Canoo nun, die Entscheidung sei wegen „Entwicklungen bei VDL Nedcar“ gefallen. Der jüngste Hack-Angriff auf das niederländische Unternehmen könnte eine Rolle spielen, schrieben zuvor verschiedene Medien. Dadurch kam auch die Produktion bei VDL Nedcar für einige Zeit zum Erliegen.

Ein Sprecher von VDL Nedcar sagte, der Autohersteller sei "in Gesprächen mit Canoo, um die Zusammenarbeit zu gestalten". "Dafür nehmen wir uns die ganze Zeit." Er lehnte es ab, Canoos Aussage in dem Dokument zu kommentieren. "Du solltest Canoo alle Fragen dazu stellen."

VDL Nedcar war bereits auf der Suche nach weiteren Neukunden, da die Produktion von Canoo-Fahrzeugen nicht ausreichte, um das gesamte Werk zu nutzen. Zudem will das Unternehmen weniger abhängig von einem Hersteller sein. Der Teil des Industriekonzerns VDL hat sich etablierte Hersteller und Start-ups angeschaut und immer wieder gesagt, dass mit mehreren Kandidaten Gespräche geführt werden.

Die Zeitung De Limburger schrieb kürzlich über die Kontakte von VDL zu Rivian, einem amerikanischen Unternehmen, das elektrische Pick-ups und Lieferwagen baut. Ob es Gespräche mit dem unter anderem von Amazon unterstützten Unternehmen gebe, wollte der Sprecher weder bestätigen noch dementieren.

Lesen Sie auch: VDL Nedcar baut Elektroautos für Canoo

Drucken Freundlich, PDF & Email